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Gewalt ist mehr, als du denkst.
Kampagne gegen psychische Gewalt an Kindern


Nicht Du schon wieder!

Stell Dich nicht so an!

Sonst setzt es was!

Wenn du jetzt nicht schläfts dann knallt es!

Hör auf zu heulen!


Du machst alles falsch!

Kommt Ihnen einer dieser Sätze bekannt vor?

Wir alle haben eine recht klare Vorstellung, was körperliche Gewalt ist. Ein Kind zu verprügeln, war zu früheren Zeiten üblich, heute ist das für uns unvorstellbar. Die berühmte Ohrfeige, der sogenannte „Klaps auf den Po“ werden dagegen noch praktiziert und als „da ist mir die Hand ausgerutscht“ verharmlost.

Für die oben genannten Sätze und andere Formen psychischer Gewalt gibt es allerdings kaum ein Bewusstsein!

Gewalt ist mehr, als du denkst.

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Was ist psychische Gewalt?

Über die Weihnachtszeit – eine Zeit des Besinnens und des Zusammenkommens in der Familie und eine besondere Zeit für Kinder – möchten wir Eltern, Großeltern, Pädagog*innen und andere Menschen in Erziehungsverantwortung zum Reflektieren der eigenen Haltungen in Bezug auf Kinder und Jugendliche anregen und darüber, was ein gesundes und gutes Aufwachsen bedeutet.

Kinder seelisch zu verletzen – durch Demütigungen, Drohungen und andere verletzende Verhaltensweisen – ist psychische Gewalt – mit schädigenden Folgen für ihre Entwicklung. Kinder in der Weihnachtszeit mit Gewalt zu bedrohen, in dem man ihnen etwa sagt, wenn sie nicht „artig“ sind, käme Knecht Ruprecht und bestrafe sie, ist psychische Gewalt. Statt Kindern Angst zu machen und ihnen zu vermitteln, dass sie nur geliebt werden, wenn sie stets „brav“ sind, sollte man ihnen vermitteln, dass sie vor allem glücklich sein dürfen, dass sie viel spielen und entdecken dürfen und ganz besonders: dass sie bedingungslos geliebt werden, und zu Weihnachten ein Geschenk bekommen, einfach weil sie da sind.


Kinder werden gedemütigt oder verletzt.

„Du machst alles falsch!“

„Aus dir wird nie was!“


Kinder dürfen ihre Freundinnen und Freunde nicht treffen, sondern werden zu Hause isoliert.

„Du hast 2 Wochen Hausarrest!“


Das Kind ist extremem Leistungsdruck ausgesetzt.

„Wenn diese Zwei nicht wäre, hättest du ein Einser-Zeugnis. Das brauchst du auch, wenn du Ärztin werden möchtest.“


Kinder werden Zeugen elterlicher Partnergewalt, auch ohne selbst direkt Misshandlungen zu erleben.

„Mama und Papa haben sich angeschrien und ich hatte so Angst, dass Papa Mama wieder schlägt.“


Kindern wird ständig mit dem Verlassen, Körperschädigungen oder anderen üblen Folgen gedroht.

„Wenn du nicht mitkommst, dann gehe ich ohne dich!“

„Gleich setzt es was!“


An Kinder werden dauernd übertriebene Anforderungen gestellt, die das Kind überfordern.

„In einer halben Stunde muss die Küche tipp-topp aussehen. Sonst darfst du deine Serie nicht gucken.“


Das Kind wird angeschwiegen, mit ihm wird dauerhaft nicht geredet oder wird nicht angeschaut.

„Ich wollte Mama etwas fragen, aber sie war immer noch sauer und hat so getan, als wäre ich gar nicht da.“

Welche Folgen hat psychische Gewalt?

Kinder, die psychische Gewalt erlebt haben, fühlen sich häufig wert- und hilflos, sie trauen sich selbst weniger zu und erlangen dadurch ein geringes Selbstwertgefühl.
Manche Kinder übernehmen das Verhalten der gewaltausübenden Elternteile. Sie beleidigen und bedrohen dann andere Kinder.
Schulkinder fühlen sich gestresst, sie können kaum konzentriert lernen, was sich oft in schlechten Leistungen niederschlägt.
Jugendliche scheitern in vielen Fällen beim Erwachsen werden. Es fällt ihren sehr schwer, stabile Bindungen und Beziehungen aufzubauen.
Nicht selten leiden Menschen, die emotionale Gewalt erfahren haben, im Erwachsenenalter unter Depressionen und Angstgefühlen. Sie sind oft weniger belastbar, stressanfällig und haben Schwierigkeiten, die Herausforderungen des Lebens zu meistern.

Wie geht es besser?

Versuchen sie in stressigen Momenten einmal durchzuatmen, lautlos bis 20 zu zählen oder auch kurz den Raum zu verlassen. Diese kurze Pause verhindert in der Regel eine Explosion oder unüberlegte Aussagen.

Informiere Sie sich über die Entwicklungsstufen des Kindes bzw. Jugendlichen. Wird der Wutanfall des Kleinkindes oder das maulige Gesicht des Teenagers als altersgerecht und notwendig verstanden, dann ist beides leichter auszuhalten.

Schaffen sie sich ihre eigenen Freiräumen. Zeit zum Lesen und Entspannen, für Sport oder das Zusammensein mit Freund*innen auch mal ohne Kind, sind kein Luxus, sondern notwendige Selbstfürsorge.

Um das eigene Verhalten zu verändern, ist es vor allem zentral, dass Eltern ihre eigene Kindheit und ihr Erziehungsverhalten reflektieren. Dies geht zum Bespiel in Gesprächen in der Partnerschaft oder mit Freund*innen. Dabei brauchen Eltern eine versöhnliche Haltung: Persönliche und gesellschaftliche Muster zu durchbrechen kostet Kraft und vor allem auch Zeit. Fehler machen ist menschlich. Eltern sollten nicht nur ihren Kindern gegenüber tolerant sein, sondern unbedingt auch sich selbst.  

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